Die Magie fehlt – Der Ruf des Kuckucks

J.K. Rowling sagt jedem was, der sich zumindest ein Mal mit Büchern, Filmen oder Popkultur insgesamt auseinander gesetzt hat: Die Frau, die Harry Potter erschaffen hat. Doch das Rowling nicht nur über Hogwarts schreibt, zeigte sie erstmals 2012 mit ihrem Buch Ein plötzlicher Todesfall. Ein Jahr später erschien dann mit Der Ruf des Kuckucks der Auftakt ihrer Krimireihe, allerdings unter dem Pseudonym Robert Galbraith. Wie viel Rowling steckt aber in Galbraith? Und ist dieser auch in der Lage solch fesselnde Geschichten zu schreiben, wie diejenigen, auf denen Rowlings Name steht?

Cormoran Strike ist an dem Tiefpunkt seines Lebens angekommen: Ein Bein verlor er im Krieg, jetzt hat er seine Verlobte verloren, seine Detektei ist pleite und er hat keine Wohnung. Zu allem Überfluss taucht eine Sekretärin aus der Zeitarbeitsfirma auf. Eine Sekretärin, die er nicht bezahlen kann, und die er eigentlich auch gar nicht um sich haben möchte: Robin Ellacott. Doch am gleichen Tag wie Robin taucht auch ein Klient auf: Der wohlhabende Anwalt John Bristow. Dieser möchte den Tod des weltbekannten Topmodels Lula Landry, welche seine Adoptivschwester war, um jeden Preis aufklären. Bristow glaubt nicht an Suizid, er glaubt an Mord. Zwar erklärt Strike sein Gegenüber zunächst für verrückt (die Beweislage spricht eindeutig für einen Selbstmord des Models), dennoch braucht der Detektiv das Geld und so nimmt den Fall an. Bald bemerkt Comoran Strike, dass er sich gleich in doppelter Hinsicht getäuscht hat: Robin Ellacott als Sekretärin war das beste, was ihm passieren konnte, und die Mordtheorie Bristows ist gar nicht so verrückt, wie man vermuten könnte. Die Ermittlungen in London beginnen.

Der Ruf des Kuckucks ist kein typischer Krimi der heutigen Zeit. Es gibt wenig Gewalt, wenig Action und keinerlei Splatter. Der Ruf des Kuckucks ist ein klassischer Detektivroman. Akribische Ermittlungen, lange Zeugengespräche, genaue Recherche und ordentliche Beweisführung sind an der Tagesornung.

Eine Abwechslung zu den meisten Krimi- und Thrillerserien, welche sich auf dem Büchermarkt tummeln, doch an einigen Stellen wünscht man sich dann doch mal etwas mehr Action, und etwas weniger langatmige Ermittlungen. So ist der Roman zu Beginn zwar recht brisant, verliert im zweiten Drittel jedoch arg an Tempo und Spannung. Ein Highlight im Mittelteil des Buches bleibt aus, und dem Leser werden trotz der detailreichen Ermittlung nicht genug Indizien gegeben um selbst über mögliche Täter und Motive nachzudenken. Erst auf den letzten hundert Seiten nimmt „Der Ruf des Kuckucks“ noch einmal Fahrt auf um schließlich in einem Finale zu enden, dem man mit gespalteter Meinung gegenüber stehen kann.

Rowling gelingt es zwar erneut mit Cormoran Strike und Robin Ellacott Figuren zu schaffen, die einem sofort ans Herz wachsen, sei es durch einen weichen Kern hinter der rauen Schale, oder durch unerwartete aber überragende Kompetenz. Mit Strikes düsterer Vergangenheit als Sohn eines Groupies, und dem Leben als Kriegsveteran bis zur Beinamputation bietet der Detektiv wahnsinnig interessante Ansätze, die in kommenden Bänden hoffentlich weiter ausgeschmückt werden. Weitere Nebenfiguren bleiben allerdings blass, und das trotz Kapitellanger Dialoge. Hier ist genauso viel Verbesserung nötig, wie an die Aufrechterhaltung von Interesse an dem eigentlichen Fall.

Der Ruf des Kuckucks ist kein misslungener Krimiauftaukt von J.K. Rowling, doch es ist zu hoffen, dass die Fälle in den Fortsetzungen – und davon gibt es bereits reichlich – einem stringenteren Verlauf folgen, schneller auf den Punkt kommen, und die Ermittlungen spannender ausfallen, ohne an Seriosität einzubüßen. In Strike steckt einiges an Potenzial, es sollte genutzt werden!

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