Elitär, exquisit, gefährlich – Der Club

Takis Würger ging im Alter von 28 Jahren nach England um an der Universität Cambridge zu studieren. Neben seinem Studium der Ideengeschichte boxte Takis Würger im Boxclub der Universität und wurde Mitglied in einigen weiteren studentischen Clubs. Beachtet man die Lebensgeschichte des Autors von Der Club könnte man sich fragen, wie viel Autobiographie in diesem Roman versteckt ist. Ein Verbrechen hat Takis in einem Club nie begangen, doch in dem Buch selbst findet der Leser keine weiteren Antworten auf diese Frage, außer: „Hoffentlich so wenig wie möglich!“

Hans wächst als kleiner stiller und andersartiger Junge in einem Wald bei Niedersachsen auf. Er findet, dass Orangen nach Abenteuer schmecken, und Mädchenhaar wie Zuckerwatte aussieht. In der Schule wird er so stark gehänselt, sodass schließlich nur eine Maßnahme übrig bleibt: Hans fängt an zu boxen, um sich wehren zu können. Bereits zu Beginn des Romans wird Hans durch zwei tragische Unfälle zu einem Vollwaisen und zieht in ein Internat. Auch hier ist er ein Außenseiter, das einzige was ihm bleibt ist das Boxen. Nach Cambridge gelangt Hans durch ein Stipendium, welches seine Tante ermöglichte. Dieses Stipendium ist dabei an eine Bedingung geknüpft: Hans soll im elitären Boxclub der Universität unter falschem Namen eintreten um hinter den exquisiten Kulissen des Clubs ein Verbrechen aufzuklären. Hans weiß nicht wovon die Rede ist, und genauso wenig ahnt der Leser etwas. Doch zusammen mit Hans fügen wir die einzelnen Puzzlestücke zusammen, bis sich schließlich die düstere Wahrheit offenbart

Lebhafte Freunde und Feinde

Während sich Der Club spätestens ab der Hälfte der Geschichte zu einem spannenden und mitreißenden Krimi mit einem Fünkchen Liebe entwickelt, betreibt Würger auf den ersten hundert Seiten des Buches Charakterzeichnung der Höchstklasse. Der Roman ist nämlich nicht nur aus Hans‘ Sicht geschrieben, sondern die Kapitel springen zwischen den verschiedensten Figuren hin und her. Wir lernen die geheimnisvolle Charlotte Farewell, die wirre Alex, den leistungsorientierten Peter Wong, den eingebildeten Schnösel Josh und viele mehr kennen. Alle Figuren werden so authentisch, so zärtlich

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Takis Würger by

und detailliert beschrieben, dass sie lebhafter nicht sein könnten. Wir sympathisieren mit ihnen, lieben sie, hassen sie, oder ekeln uns bis zum äußersten. Ein Zitat von Benjamin von Stuckrad-Barre auf dem Buchcover lautet: „Takis Würgers zauberzarte Geschichte ist ein Buch, das man zum Freund haben will“. Ich muss ihm widersprechen. Der Club erzählt eine viel zu düstere und grausame Geschichte, als das ich jemals hoffen würde, ihr in der Realität zu begegnen. Dagegen würde ich mir ein Treffen mit zumindest der Hälfte der Roman-Figuren sehnlichst herbei wünschen.

Dunkle Genialität

Mit knapper, parataktischer und doch sehr treffender Sprache schreibt Takis Würger eine schwarze, aber geniale Geschichte, die uns die schmutzigsten Seiten der menschlichen Elite und des menschlichen Daseins offenbart. Eine Geschichte über Entwicklung, Machthunger, Liebe und vor allem anderen eine Geschichte über Rache. Takis lässt den Leser mit der Frage zurück: Wie viel Falsches darf man tun, um das Richtige zu erreichen?

Der Club ist ein kleines, sehr feines Meisterwerk und stellt als Würgers Debütroman sehr hohe Erwartungen an die nachfolgenden Werke. Wir dürfen gespannt sein.

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