Our House – Auerhaus

Ein Depressiver, ein Hühnerknecht, ein Hippie-Girl, eine Brandstifterin, ein Drogendealer und ein rebellisches Mädchen aus reichem Elternhaus – allesamt unter einem Dach. Im Auerhaus.

Wir schreiben das Jahr 1980 in Süddeutschland. Der Frieder hat probiert sich umzubringen, ist aber gescheitert. Damit er es nicht noch ein zweites Mal probiert, zieht er bei seinen Eltern aus und mit seinem besten Freund Höppner in ein kleines Bauernhaus ein. Weitere Freunde gesellen sich dazu bis schließlich eine kleine, bunt zusammengewürfelte autonome Gemeinschaft aus sechs Jugendlichen entsteht.

Foto: © Milena Schlösser
Bov Bjerg by

In seinem Roman Auerhaus versetzt der Autor Bov Bjerg den Leser in das überschaubare, aber auch etwas eingeengte Leben eines Jugendlichen auf dem Dorf. Ein Jugendlicher, der sich aufgrund des anstehenden Abiturs Gedanken um den Verlauf seines Lebens machen muss. Ein Jugendlicher, der sich mit Selbstmord, gescheiterte Liebe und weiteren Hürden des Lebens auseinandersetzen muss.

Die Thematik klingt zugegebenermaßen etwas tragisch und belastend, beim Lesen ist dieses Gefühl jedoch weit entfernt. Durch die Sprache, die Gedankengänge seiner Figuren und ihre Betrachtungsweisen des Leben schafft Bjerg ein kleines Meisterwerk. Bisweilen erinnern die Formulierung des Hauptcharakters an einen unbeholfen geschriebenen Aufsatz eines Schülers gepaart mit reichlich umgangssprachlichen Füllwörtern. Dieser Schreibstil funktioniert. Er ist authentisch und er saugt den Leser in die Geschehnisse hinein.

Die Haustür war alt und klapprig und nicht abgeschlossen. Griff aus Messing. Im Hauseingang lag Dämmerung. Wir drehten am Lichtschalter. Die Lampe an der Decke ging an und machte alles noch dunkler. Es roch nach kaltem Lehm, von den Feldstiefeln, und sauer nach Gülle. Wir stiegen die Treppe hoch, vom Güllegeruch hinein in den Alteleutegeruch.

Depressionen werden bildlich mit tretlagerlosen Fahrrädern verglichen, die Bundeswehr wird abwertend „bumbum“ genannt und das Leben simpel, aber passend mit „birth, school, work, death“ zusammengefasst. All diese einfach gehaltenen Betrachtungen eigentlich sehr komplexer Themen, nimmt der Geschichte jegliche Schwere. Die vielen aberwitzigen Gedankengänge und flapsigen Formulierungen lassen den Leser nicht nur einmal herzlich lachen.

Nichtsdestoweniger vermittelt der Roman wertvolle Denkweisen auf eine sehr sympathische Art. Nimm das Leben nicht zu ernst und lebe auch mal in den Tag hinein! Genieße die Zeit, die dir gegeben ist! Mal regnet es und mal scheint die Sonne.

Auerhaus erklärt das Leben in einfachen Worten und Taten. Der Roman regt zum Nachdenken an, genauso wie er der kurzweiligen Unterhaltung dient. Für jeden ist etwas dabei.

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