Die Stadt der Liebe – Das Jahr der Liebe

Wie findet man den roten Faden im Leben wieder, wenn man ihn einmal verloren hat? Was fängt man mit seinem Leben an, wenn einem die Einsamkeit bewusst wird, in der man lebt? Wo ist mein Platz in der Welt?

Mit diesen und weiteren Fragen sich der, in seiner Branche gefeierte, schweizer Autor Paul Nizon in seinem Roman „Das Jahr der Liebe“. In dem, von Bibliothek Suhrkamp veröffentlichten Roman beschäftigt sich der Protagonist, welcher dem Leser nur als Ich-Erzähler bekannt ist, mit eben diesen Fragen, und gewährt dabei in den vier Abschnitten des Buches auf 224 Seiten Einblicke in seine Jugend, seine Krisen, sein Liebesleben und sein Leben in der kleinen Wohnung, von ihm auch als „Schachtelzimmer“ betitelt. Auch wenn der Name des Protagonisten bis zum Ende des Buches unbekannt bleibt, so tauchen im Verlaufe des Romans immer wieder Namen an seiner Seite auf. Darunter sein bester Freund Beat, der
Taubenmann, seine erste große Liebe Lara, einige Künstler und noch viele weitere. Allerdings werden die meisten der Charaktere, welche in dem Leben des Erzählers auftauchen nur einer oberflächlichen Betrachtung unterzogen, wodurch man für die meisten von ihnen nur schwer Sympathie, geschweige denn eine Beziehung aufbauen kann.

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Paul Nizon by

Ganz im Gegensatz zu der Beschreibung der Figuren ist der Lokalchlorid von Paris, der Kulisse des Romans, sehr stark ausgeprägt. Jede Straße, die der Protagonist auf seinen häufigen Spaziergängen durchquert, jede Örtlichkeit, welche er besucht wird mit Namen genannt. Dadurch erschafft Nizon vor dem geistigen Auge des Lesers ein detailliertes Bild von der Stadt Paris.

Die Beschreibung der Suche nach Antworten auf die oben genannten Fragen dagegen ist bis zum Ende des Romans etwas konfus und ungewöhnlich. Es werden teils nur Bruchstücke aus dem Leben und den Gedanken des Erzählers geschildert, immer wieder gibt es einen plötzlichen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, dazwischen noch das „Warmschreiben“ des Protagonisten, bei welchem sich ein Satz teilweise bis über sechs Seiten erstreckt. Zudem noch einen unklaren Handlungsstrang und Abschweifungen.

Wer sich jedoch an dieser außergewöhnliche Erzählweise nicht stört, und sich für leicht philosophischen Fragen, wie dem Sinn des Lebens begeistern kann, für den wird dieser Roman eine wunderbare Erfahrung sein. Für jeden, der an Hochliteratur interessiert ist , und vor allem für jeden Liebhaber von Paris, für den ist dieser Roman erst recht ein unbedingtes Muss.

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