Moonlight – Der beste Film des Jahres?

Jedes Jahr bekommt ein Film das große Oscar-Prädikat „best picture“, bester Film des Jahres aufgedrückt. Letztes Jahr war es Spotlight, das Jahr davor Birdman. Und dieses Jahr kriegte Moonlight den Stempel, doch hat der Film das überhaupt verdient? Denn bei mir stellt sich zu den Oscar-Verleihungen immer die Frage: Wie entscheidet man, was der beste Film des Jahres ist?

Achtet man auf das handwerkliche Geschick? Geht es um die Thematik? Oder geht es um den Unterhaltungswert, was ja eigentlich zugleich das Wichtigste aber auch das Subjektivste an einem Film ist? Wenn wir jetzt für jede dieser Kategorien einen Punkt verteilen könnten, dann würde Moonlight meines Erachtens 2,5 von drei erhalten.

Fangen wir bei der Thematik, beziehungsweise bei der Geschichte an. Es geht um den afroamerikanischen Chiron, welcher eine sehr schwere Kindheit/Jugend zu verkraften hat. Er lebt nicht besonders wohlhabend, er hat eine drogenabhängige Mutter, und da er beginnt zu merken, dass er schwul ist, und sich somit von seinen Mitmenschen abhebt, hat er mit den Hänseleien seiner Mitschüler, als auch mit Selbstzweifeln zu kämpfen. Eines Tages trifft er dann den Drogen dealenden, aber auch gutherzigen Juan, welcher quasi die Vaterrolle von Chiron einnimmt, und ihm das Leben erklärt. So weit so gut (oder schlecht).
Auf der einen Seite ist das ganze natürlich auch pädagogisch wertvoll. Es wird vermittelt, dass Homosexualität nichts schlechtes ist, man immer man selbst sein sollte usw. Dann kommt einem das ganze wahrscheinlich auch ein bisschen klischeebeladen vor, schließlich geht es um einen schwulen, schwarzen Jungen, mit schwerer Kindheit und seinem Weg zur Selbstfindung. Man könnte denken, dass eine solche Thematik schon reicht, damit dem Film ein Oscar hinterher geworfen wird, doch dieser Gedanke ist auf keinen Fall berechtigt, den Handwerklich ist der Streifen einsame Spitze. (0,5 Punkte)

Angefangen bei den Schauspielern, welche zwar nicht überragend sind, aber auf jeden Fall überzeugend. Da hat man Naomi Harris als Mutter, sowie Mahershala Ali als Drogenboss Juan (bekannt aus House of Cards). Bei Chiron ist es schwer sich festzulegen, denn dieser wird von drei unterschiedlichen Schauspieler (einer für jede Altersklasse) gespielt. Doch wenn ich mich festlegen muss, dann würde ich die jüngste Darstellung (Alex R. Hibbert) wählen, welcher den kleinen, introvertierten und unsicheren Jungen sehr, sehr gut verkörpert.
Doch jetzt kommen wir zu dem wirklich überragenden Teil, und zwar Kamera samt musikalische Untermalung. Denn beides steht nicht einfach alleine für sich da, sondern jeder Ton, und jede Bewegung hat eine Bedeutung mit direktem Bezug auf die Geschichte, bzw. Chirons Charakter. So gibt es sehr sanfte Kamerafahrten zwischen Chiron und Juan, welche die enge Beziehung zwischen den beiden symbolisiert, eine stark verwackelte Aufnahme, wenn Chiron Angst hat, und beim Schwimmen, beim gleiten durch die Wellen, gleitet die Kamera mit.

Die Musik fällt sofort auf, da es sich dabei nicht etwas um Hip-Hop, wie sie in den meisten Black-People-Filmen handelt, sondern um klassische Musik. Diese Musik stellt Chirons Innenleben dar. Eine in-sich-gekehrte, fast meditative Denkweise.


Zuletzt ist noch das Farbspiel des Filmes erwähnenswert. Sei es, wenn der schwarze Körper in weißen Laken liegt, rötliches Licht sich mit türkiser Tapete mischt, oder (Achtung: Namensgebendes Zitat) „In Moonlight, Black Boys Look Blue“. Solch eine Kombination, und solch eine Art und Weise die Geschichte zu erzählen habe ich noch nie zuvor gesehen. Einfach Toll! (1 Punkt)

Abschließend muss ich jetzt ja noch sagen, ob der Film unterhaltend ist, und ob er den Oscar verdient hat. Viele meiner Freunde wären vermutlich vor Langeweile im Kino eingeschlafen, schließlich gibt es weder Action noch einen richtigen Spannungsbogen, doch ich persönlich hatte viel Freude im Kino, mich hat der Mut des Filmes zum Anderssein beeindruckt, und ich konnte mich daran erfreuen, dass es wirklich wahre filmische Kunst im Kino der heutigen Zeit zu sehen gibt. (1 Punkt)
Aus diesen Gründen bin ich der Meinung, dass der Oscar bei Moonlight in den richtigen Händen ist, dieser Mut und diese Kunst gehört belohnt, und es sollte aufmerksam auf sie gemacht werden, denn so gibt es in Zukunft hoffentlich noch mehr großartige Filme, wie Moonlight. 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s