Children of Men – Der wohl wichtigste Film unserer Zeit

Große Gefangenenlager für afrikanische Flüchtlinge. Kriegerische Auseinandersetzung mit islamistischen Terroristen auf europäischen Straßen. Unfruchtbarkeit durch menschliches Versagen. Mit ein wenig Pech könnte das auch unsere Welt in gerade mal zehn Jahren sein, nicht wahr? Allerdings gibt es genau dieses Szenario schon seit ganzen elf Jahren, und zwar in dem Film „Children of Men“. Noch nie gehört? Dann wird es allerhöchste Zeit, dass ihr die wohl wichtigste Lücke auf eurer Watchlist schließt.

Children of Men (englisch für Menschenkinder) ist ein Science-Fiction-Thriller von Alfonso Cuarón, welcher im Jahre 2006 veröffentlicht wurde. Der Streifen spielt im London des Jahres 2027und somit in einer Welt, in welcher schon seit 18 Jahren kein Kind mehr geboren wurde. Dies hat zur Folge, dass die gesamte Welt in absoluten Chaos versinkt. Zerstörung, Terrorismus und Unterdrückung sind an der Tagesordnung, und die sogenannten Fugees werden in riesigen Gettos zusammengepfercht.

Der desillusionierte Regierungsangestellte Theo Faron (Clive Owen) hat sich bereits dem Schicksal der Menschheit gefügt, als er durch seine untergrundorganisations-leitenden Ex-Frau Julian (Julian Moore) einen Hoffnungsschimmer gezeigt bekommt, und nun alles daran setzt um diese Hoffnung zu retten. Dabei geht es im Film durch dystopische Städte, Rebellionslager, Flüchtlingslager und Kriegsgebiete.

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Das dystopische London in Children of Men

Mit Hinblick auf die momentane Problematik in unserer realen Welt, ist die in The Children of Men dargestellte Dystopie erschreckend real. Man bedenke nur die Flüchtlingsströme aus z.B Syrien, mit denen Europa momentan zu kämpfen hat. Oder den IS, welcher durch seinen Terrorismus Angst und Schrecken verbreitet. Oder technologische Fortschritte wie die Atomenergie, oder Gentechnik, von denen eine große Gefahr, sowohl für die Umwelt, als auch für uns Menschen an sich ausgeht. All diese Brennpunkte werden von The Children of Men in ihrer vollen Entfaltung dargestellt, weshalb er aus meiner Sicht einer der wohl aktuellsten, und wichtigsten Filme unserer Zeit darstellt.

Doch nicht nur auf geschichtlicher und politischer Ebene legt der Streifen eine grandiose Leistung dar. Auch auf der Produktionsebene ist The Children of Men ganz große Kunst. Zuerst einmal liegt das an den Schauspielern, was angesichts der Tatsache, dass Namen wie Clive Owen, Julien Moore, Michel Caine und Chiwetel Ejiofor im Cast auftauchen, auch nicht groß verwunderlich ist. Weiter geht es mit der überragenden Kameraarbeit von Emmanuel Lubezki. Ich bin ja ein großer Fan von Plansequenzen, also Szenen, die ohne Schnitt abgespielt werden. Und genau solche „Oneshots“ findet man in diesem Film zuhauf. Da wäre eine unglaubliche Autoverfolgung, welche vier Minuten lang ohne Schnitt auskommt. Oder eine wahnsinnige sechs Minuten lange Szene, in welcher die Kamera Theo und seine Helfer bei ihrer Flucht durch ein Kriegsgebiet verfolgt, ohne auch nur einen einzigen Cut zu setzen. Solche Kamerafahrten haben mich in The Children of Men immer wieder staunen lassen. Last but not least wäre da noch die Musik, die sich zwar im Hintergrund hält, aber dennoch einen sehr wesentliche Teil zur starken Atmosphäre des Filmes beiträgt. Denn der Komponist John Tavener schafft mit seiner Komposition aus Geigen und Vokalisen (also Gesang ohne Text) einen Soundtrack, welcher an Gesang im Kirchenschiff erinnert, und epochal, melancholisch und düster zugleich ist.

Die Kombination aus Inszenierung und Geschichte hat bei mir während des Guckens Emotionen ausgelöst, wie selten ein Film. Das ging von Gänsehaut, über herunterklappender Kinnlade bis zum Zurückhalten von Tränen. Und ich sage euch, bis ich bei einem Film weinen muss, da muss schon ne ganze Ecke passieren.

Ihr merkt schon, ich bin sehr sehr sehr angetan von diesem Film. Dabei ist es für mich unverständlich, wie er so ein finanzieller Misserfolg geworden ist. Mit einnahmen von ca. 70 Mio US-Dollar konnten nämlich noch nicht einmal die Produktionskosten von ca. 76 Millionen US-Dollar gedeckt werden. Immerhin wurde das Werk von Alfonso Cuarón für drei Oscars – beste Kamera, bester Schnitt, bestes adaptiertes Drehbuch – nominiert, ging jedoch ohne einen Gewinn nach Hause.

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Hauptdarsteller Clive Owen mit Regisseur Alfonso Cuarón

Also auch wenn The Children of Men international nicht wirklich wahrgenommen wurde, so steht er bei mir definitiv in den oberen Rängen der Liste meiner Lieblingsfilme. Deshalb solltet ihr euch, falls ihr Netflix, Amazon Prime, oder ein paar Euro für die Blue-Ray habt, diesen Film auf gar keinen Fall entgehen lassen.

Schließen tue ich diesen Artikel nun mit dem passenden Psalm 90.3 aus der englischen Bibel, auf welchem auch die Namensgebung The Children of Men beruht: You turn man back into dust and say „Return, O children of Men“.

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