Snowden – Eine Enthüllung der Enthüllung?

2013 kam der große Knaller, unsere Freunde aus den USA überwachte die ganze Welt. Enthüllt wurde dies von dem Ex-NSA-Agenten Edward „Ed“ Snowden. Die einen feiern ihn als Held, die anderen bezeichnen ihn als Verräter, nun sitzt er jedenfalls aufgrund von der Verfolgung durch die USA im politischen Asyl in Russland.
Nur wenige Jahre später, drei um genau zu sein, kommt die Geschichte um die NSA-Affäre auf die große Leinwand. Oliver Stone (Platoon, Savages) führt Regie, und Joseph Gordon-Levitt (Inception, Don Jon) verkörpert den Whistleblower Edward Snowden. Doch kann diese, letztendlich auch eine sehr persönliche, Geschichte richtig eingefangen werden? Ich habe den Film vor einigen Tagen gesehen, und kann sagen, dass er seine guten Seiten hat, leider aber nicht ganz das, was ich mir erhofft habe.
Doch fangen wir mit den Aspekten an, die mich an dem Streifen gefreut haben: Zuerst einmal die Besetzung, da haben wir Joseph Gordon-Levitt, der seit Inception und The Dark Knight Rises einer meiner liebsten Schauspieler ist, daneben noch Shailene Woodley, Zachary Quinto, Scott Eastwood und die Legende Nicolas Cage. Alle legen meiner Meinung nach einen großartigen Job hin, vor allem Levitt der den zwiegespaltenen geheimniskrämerischen Computernerd echt super darstellt. Ein weiterer Punkt, der mir sehr gut gefallen hat, ist die „Natürlichkeit“, klingt vielleicht seltsam, aber ist mir tatsächlich aufgefallen. Wie die Figuren sich gegenüber ihren Mitmenschen gegenüber verhalten wirkt an keiner Stelle aufgesetzt oder unnatürlich, zudem wird der amerikanische Staat mal nicht positiv als „die Weltherrschaft schlechthin“ dargestellt, obwohl man es die meiste Zeit des Filmes mit äußerst konservativen Menschen zu tun hat. Letzteres dürfte allerdings auch keine große Überraschung sein, da der Regisseur Oliver Stone dafür bekannt ist, ganz gerne mal die Politik zu kritisieren.

Ein Politthriller oder ein Liebesdrama?

Ein Punkt, der mir zugleich gut, wie auch weniger gut am Film gefallen hat, ist die Thematik. Für jemanden wie mich, der sich noch nicht wirklich viel mit der Snowden-Affäre auseinander gesetzt hat, waren die vielen Infos im Film durchaus interessant, zum Beispiel in welchem unvorstellbaren und erschreckendem Ausmaße die NSA jeden von uns überprüfen kann. Gleichzeitig hätte ich mir gewünscht, dass der Film in seinen immerhin zwei Stunden etwas mehr in die Tiefe geht, zumindest hatte ich das Gefühl, dass nur an der Oberfläche gekratzt wurde. Ob das tatsächlich so ist, oder ob es einfach noch nicht mehr zu berichten ist, kann ich leider nicht beurteilen. Allerdings schienen die Produzenten des Filmes die Beziehung zwischen Ed Snowden und seiner Freundin Lindsay Mills für besonders wichtig zu erachten, denn gefühlte 40% der Zeit verbringt man damit, den beiden zuzuschauen wie sie um ihre Beziehung kämpfen, die durch die Belastung und Geheimhaltungsstufe von Snowdens Arbeit das eine ums andere mal droht zu zerbrechen. Natürlich ist es auch wichtig zu wissen, wie sich die Entscheidungen Snowdens auf sein Privatleben ausgewirkt haben, und welche Faktoren ihn überzeugt haben, den Schritt zu gehen, den er gegangen ist. Doch hätte man daraus wirklich diese langgezogene Drama-Love-Story machen müssen? Die ist nämlich unter Anderem für die paar Längen verantwortlich, die Snowden aufzuweisen hat. Leider.

Verpasste Chancen

Nocht etwas hat mich am Drehbuch gestört, so wird die Frage, ob Snowden gut oder schlecht gehandelt hat sehr einseitig betrachtet, und gerade gegen Ende des Filmes widersprechen sich die unterschiedlichen Begründungen für sein Handeln, aus diesen Diskussionen hätte man durchaus noch etwas interessantes rausholen können.
Einen kleinen Punkt gibt es dann für mich noch zu kritisieren, auch wenn ich wahrscheinlich einer der wenigen bin, denen es sauer aufstößt: Der Film wird so erzählt, dass Edward Snowden mit Reportern in einem Raum sitzt, und seine Geschichte berichtet (dabei besteht der Film größtenteils aus Rückblenden), dabei wird alles per Kamera von einer Dokumentarfilmerin aufgezeichnet – bis hierhin nichts zu bemängeln – anstatt nun aber das Material aus der Kamera der Reporterin zu nutzen, die echten Aufzeichnungen mit dem echten Edward Snowden, wird das ganze Interview noch einmal mit Josep Gordon-Levitt etc. nachgespielt. Genauso verhält es sich auch mit den  Meldungen in den Nachrichten über Snowden

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Edward Snowden (links) und seine Repräsentation auf der Filmwand: Joseph Gordon-Levitt (rechts)

die gegen Ende der Story ins Bild geschnitten werden. Zwar werden die echten Meldungen genutzt, wie z.B. von der Tagesschau, allerdings wird das Porträt von Snowden im Hintergrund, durch ein Bild von Joseph Gordon-Levitt ersetzt. Und ich weiß ziemlich sicher, dass es nichts damit zu tun hatte, dass Edward Snowden etwa nicht gerne sein Gesicht im Film haben wollte. Warum also nicht einfach das original Material nutzen, was einem zur Verfügung stand, und damit den Realismus und die Authentizität vom Film steigern? Ich versteh’s nicht.

 

Fazit

Schlussendlich kann ich folgendes sagen: Snowden ist kein schlechter Film, er ist informativ und es bringt größtenteils Spaß ihn zu schauen, wer sich jedoch eine detaillierte Berichterstattung über die NSA-Affäre angucken möchte, der sollte lieber zu einer Dokumentation greifen.

 

 

Habt ihr den Film schon gesehen? Wenn ja: Wie fandet ihr ihn? Wenn nein: Warum nicht?

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