Er. – Eine Kurzgeschichte

Es war warm und zugleich feucht. Schwül. Er trat aus der Tür und atmete tief ein. Aufgrund der Temperatur brauchte er keine Jacke, und als eine leichte Brise aufkam, kühlte der Wind ihn unter seinem Hemd ein wenig ab. Obwohl er für den bevorstehenden Abend rein gar nichts geplant hatte, hätte er am liebsten Luftsprünge gemacht, sah jedoch selbst ein, dass das lächerlich sei. So grinste er nur breit, und machte sich auf den Weg.

Da er nach hundert Metern niemanden getroffen hatte, nichts seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, ging er noch genau acht Schritte weiter, und betrat die U-Bahn Station. Hätte er sich an diesem Abend irgendetwas vorgenommen, ein Treffen, Party machen, dann wäre er jetzt höchstwahrscheinlich in die Stadt gefahren. Doch dieser Abend war anders, dieser Abend war ungewiss. Als der Zug in den Tunnel fuhr, sprang automatisch die Deckenbeleuchtung des Wagons an und hüllte den ganzen Wagen in ein kaltes, jedoch nicht ungemütliches, gelbes Licht. Vor dem Fenster rauschten Betonwände vorbei, also blickte er sich um. Der einzige weitere Fahrgast saß Drei Bänke weiter vorn. Ein junger Mann in einer Jogginghose, Kapuzenshirt, den Blick nach unten gerichtet, Kopfhörer in den Ohren, die Musik so laut, dass man blecherne Laute hören konnte. American Idiot von Green Day. Bei dem Namen des Liedes tauchten Bilder in seinem Kopf auf. Ein Festival bei dem er mit ihr war, blonde Haare, grüne Augen. Knall. Er schloss seine Augen, ließ sich in die Dunkelheit sinken, sperrte die Gedanken aus seinem Kopf aus. Dieser Abend gehörte nicht ihr. Nicht dieser.

Die Bahn hielt, zum wie vielten Mal wusste er nicht, er hatte nicht darauf geachtet. Dieses mal jedoch, erhob sich der junge Mann vor ihm, und verließ den Wagen mit zielstrebigen Schritten. Jetzt war er die einzige Person in diesem Wagon. Er blickte auf den Namen der Haltestelle. In diesem Teil der Stadt war er noch nie gewesen. Er überlegte sich noch eine Station weiter zu fahren, bevor auch er aussteigen würde. Die Waggontüren schlossen sich wieder. Der Zug setzte sich in Bewegung und nahm langsam Fahrt auf. Ohne American Idiot hörte man nur das rauschen des Fahrtwindes außerhalb der dünnen Wand, die ihn zum Dunkeln des Tunnels trennten.

Diesen Tunnel verließ die Bahn nun, das Dunkel jedoch nicht. Es war spät geworden. Die Deckenlampen blieben eingeschaltet. Schemenhaft konnte man draußen hohe Gebäude erkennen. Schatten, die auftauchten und wieder verschwanden. Mit einer Geschwindigkeit, die ihm keine zeit für eine genauere Betrachtung ließ.

Dann verlangsamte der Zug sein Tempo, ein Bahnsteig zog am Fenster vorbei, bis die Bahn hielt. Die Türen öffneten sich. Er trat ins Freie

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